Ehemann angezeigt: Wie kann ich es erreichen, dass das Strafverfahren gegen ihn eingestellt wird?

Vor gewaltsamen Übergriffen sind leider auch die besten Familien nicht ausgenommen. Gewalt kann überall vorkommen, auch in der eigenen Familie und auch und gerade in sehr angesehenen Familien. Um so wichtiger ist es den Frauen nach einem gewaltsamen Übergriff, sei es durch Alkohol, eine psychische Erkrankung oder einem Wutausbruch im Affekt die Wogen zu glätten und das gegen den Ehemann oder Partner eingeleitete Strafverfahren wieder folgenlos aus der Welt zu schaffen. Wie soll man dieses Ziel aber nun erreichen? Da gibt es viele Wege und Möglichkeiten. Es kommt auch sehr darauf an, ob die Parteien miteinander verheiratet, verlobt oder anders liiert sind und ob es weitere Zeugen für den Vorfall gab. Kurzum gesagt: Ja, es gibt Mittel und Wege, ein einmal eingeleitetes Strafverfahren folgenlos aus der Welt zu schaffen. In jedem Fall sollten Sie aber einen Anwalt damit beauftragen, Akteneinsicht zu nehmen und Sie ausführlich und gründlich in ihrem Einzelfall zu beraten. Die folgende Erläuterung ersetzt keine Beratung, sondern soll ihnen einen ersten juristischen Einblick in die Thematik verschaffen.  

Für den Fall, dass sie mit dem Gewalttäter verheiratet oder verlobt sind, steht ihnen ein sog. Zeugnisverweigerungsrecht zu. Das bedeutet, dass sie gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft keine Angaben machen müssen. Sollten Sie bereits Angaben gemacht haben, so dürfen diese Angaben in einem etwaigen Gerichtsprozess nicht gegen ihren Mann oder Verlobten verwertet werden, wenn sie sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht berufen. Gibt es weitere Zeugen für den Tathergang, so müssen diese vor Gericht wahrheitsgemäße Angaben machen, wenn sie mit dem Täter weder verwandt noch verschwägert sind. Auf das Zeugnisverweigerungsrecht können sich nämlich salopp gesagt nur Angehörige berufen.

Auch wenn es andere Zeugen gibt, die den Tathergang vor Gericht schildern müssten, so bedeutet es nicht, dass ihr Partner auch vor Gericht landet. Denn der Strafverteidiger kann frühzeitig Akteneinsicht nehmen und mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufnehmen. Nicht selten wird zur Wiederherstellung des Familienfriedens die Straftat eingestellt. Ihr Strafverteidiger wird für sie darauf hinwirken, wenn sie ihn damit beauftragen.

Sind Sie mit dem gewalttätigen Menschen weder verheiratet noch verlobt, haben Sie kein Zeugnisverweigerungsrecht. Vor Gericht müssten sie Angaben machen. Sollten sie sich zwischenzeitlich miteinander verloben, so haben auch sie ein Zeugnisverweigerungsrecht.

Eine ganz andere Frage ist es, ob wir Gewalt in Beziehungen für gut heißen. Nein, wir heißen sie ganz und gar nicht gut. Aber in erster Linie steht für uns, für mich und meine Mitarbeiterinnen das Interesse des Mandanten. Da es Frauen oft ein Anliegen ist, ihre Ehemänner und Partner vor der Strafverfolgung zu schützen, möchten wir hier juristische Wege aufzeigen, um diese Ziel zu erreichen. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Besserwisser und Psychologen zu spielen.